Was ist der Unterschied zwischen Optiker und Optometrist

Von Andreas Allmoslechner

Als Optometrist und Augenoptiker mit jahrelanger Erfahrung in beiden Bereichen werde ich oft gefragt, was eigentlich der Unterschied zwischen einem Optiker und einem Optometristen ist.

In diesem Artikel werde ich auf diese Frage eingehen und dabei insbesondere die Unterschiede zwischen dem Optometristen nach angloamerikanischem Berufsbild und dem Optiker in Österreich betrachten. Dabei orientiere ich mich an der Definition des World Council of Optometry, das den Optometristen als eine Fachkraft im Bereich der Augengesundheit definiert, die spezielle Ausbildung und Fähigkeiten im Bereich der Refraktion, Diagnostik und Therapie besitzt.

Unterschied zwischen Optiker und Optometrist in der Ausbildung

Der wesentliche Unterschied zwischen einem Optometristen und einem Optiker liegt in der Ausbildung und daraus resultierende Tätigkeit. Ein Optiker in Österreich absolviert eine 3,5 jährige Lehre, in der er die handwerklichen Fertigkeiten erlernt, um Brillen und Kontaktlinsen anzufertigen und anzupassen. Optiker können in Österreich auch eine Meisterprüfung ablegen, um ihre Kenntnisse und Fähigkeiten weiter zu vertiefen. Augenoptiker ist ein hochqualifizierter Handwerksberuf der sowohl handwerkliche Fertigkeit als auch ein hohes Maß an Wissen im Bereich Biologie, Physik und Funktion des Auges erfordert. Es ist ein gewerblicher Gesundheitsberuf der jede Alters-und Bevölkerungsgruppe versorgt.

Ein Optometrist hingegen durchläuft eine universitäre Ausbildung, die je nach Land unterschiedlich lange dauert. In den USA und Großbritannien dauert das Studium in der Regel vier Jahre, während es in anderen Ländern wie Kanada oder Australien fünf bis sechs Jahre in Anspruch nehmen kann. Die Ausbildung ist fokussiert auf die Augengesundheit und Sehkorrekturen, umfasst sowohl theoretische als auch praktische Lehrinhalte und beinhaltet auch klinische Praktika.

Unterschied zwischen Optiker und Optometrist in der Tätigkeit

Ein weiterer Unterschied zwischen Optometristen und Optikern besteht in der Tätigkeit. Optiker sind in erster Linie auf die Herstellung und Anpassung von Brillen und Kontaktlinsen spezialisiert. Sie messen die Sehstärke, fertigen Brillengläser an und passen diese an die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden an.

Optometristen hingegen haben eine breitere Palette an Aufgaben. Sie führen Augenuntersuchungen durch, um Sehfehler, Augenkrankheiten und -Erkrankungen zu diagnostizieren und zu versorgen und bedingt auch zu behandeln. Optometristen können auch medizinische Augenprobleme erkennen und gegebenenfalls an einen Augenarzt überweisen. Darüber hinaus passen sie Brillen und Kontaktlinsen an und können in einigen Ländern auch verschreibungspflichtige Medikamente zur Behandlung von Augenkrankheiten verschreiben. In Österreich führen Optometristen im Rahmen der Brillenglasbestimmung und Kontaktlinsenanpassung eine Reihe von Messungen am Auge durch, die Aufschluss über die Sehfunktion geben. Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen geben Optometristen in Österreich keine Diagnosen ab und behandeln keine Erkrankungen, sondern überweisen bei etwaigen Auffälligkeiten an den Facharzt für Augenheilkunde.

Unterschied zwischen Optiker und Optometrist in verschiedenen Ländern

In verschiedenen Ländern können sich die Rollen und Aufgaben von Optometristen und Optikern unterscheiden. In einigen Ländern wie den USA und Großbritannien sind Optometristen als „primary eye care specialists“ tätig und arbeiten eng mit Augenärzten und Optikern zusammen, um die Augen- und Sehgesundheit der Bevölkerung zu erhalten. In anderen Ländern wie Kanada und Australien sind Optometristen auch in der Diagnose und Behandlung von Augenerkrankungen und -Verletzungen tätig.

International gesehen ist der Optometrist die Anlaufstelle Nr 1 für Sehen. ( Primary Eyecare) Bei Augenerkrankungen die eine augenärztliche Behandlung notwendig machen, überweist der Optometrist zum Ophthalmologen. Er arbeitet in vielen Bereichen im Co Management mit Ophthalmologen zusammen. Der Optometrist führt optometrische Messungen durch, auf Grund dessen Ergebnisse er Brillen verschreibt, Kontaktlinsen oder vergrößernde Sehhilfen anpasst. Der Optometrist führt Myopie Management durch und ist auch im Bereich Visualtraining tätig.

In vielen Ländern gibt es den Dispensing Optician der Brillen verkauft, und anpasst. die Messung der Brillenwerte nur bedingt durchführt, und oft durch Jobs besetzt ist.

Optometrie und Augenoptik in Österreich

In Österreich hingegen sind die Rollen und Aufgaben von Augenoptikern klar definiert.

Das in anderen Ländern klar definierte Berufsbild Optometrist jedoch nicht. Viele Tätigkeiten die in anderen Ländern durch den Optometristen ausgeführt werden, übernimmt in Österreich der Augenarzt. Daher auch die Bezeichnung eines österreichischen Ophthalmologen als Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie.

Die Aufgaben des Augenoptikers in Österreich ist in erster Linie, Brillen anatomisch passend zu verkaufen, anzupassen und anzufertigen. Hierbei kommt der Fassungsauswahl und der Brillenglas Beratung eine wesentliche Bedeutung zu. Hier unterscheidet sich dann letztlich auch die Fach Optiker Qualität von Diskont Qualität. Weiters passt der Augenoptiker auch Kontaktlinsen sowie vergrößernde Sehhilfen an. Er misst die notwendige optische Korrektur für diese Sehhilfen aus. Optiker verweisen bei Bedarf Kunden an Augenärzte oder Optometristen.

Ein Augenoptikermeister mit zusätzlichem Studienabschluss in Optometrie darf im Rahmen der Brillenglas Bestimmung oder Kontaktlinsenanpassung all jene Tests und Messungen durchführen , die Aufschluss auf die Sehfunktion geben. Optometrie ist die Messung am Auge. Es werden also Auge und Seefunktionen vermessen. Das beinhaltet Messung der Sehleistung, Bestimmung der optischen Werte für Brillen oder Kontaktlinsen, Farbsehtests, Augenmuskelfunktionstest, Augendruckmessung, Augenlängenmessung, Messung der Hornhaut, Messung der Netzhautzellschichtdicken, bis hin zu Gesichtsfeld Messungen und vielen weiteren relevanten Tests und Messungen. Aus diesen Messergebnissen werden für nicht krankhafte Sehfehler oder visuelle Defizite, Korrekturmaßnahmen bestimmt. Liegt ein Hinweis auf eine Krankheit vor wird der Kunde an den Facharzt für Augenheilkunde zugewiesen. Optometrische Messungen und Tests ersetzen keine fachärztliche Untersuchung.

Fazit: Was ist der Unterschied zwischen einem Optiker und einem Optometrist?

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass der Hauptunterschied zwischen einem Optometristen und einem Optiker in ihrer Ausbildung und ihren Aufgabenbereichen liegt. Ein Optometrist ist ein Gesundheitsdienstleister, der auf die Analyse des Sehvermögens und von Sehstörungen spezialisiert ist. Ein Optiker hingegen ist auf die Anfertigung und Anpassung von Sehhilfen wie Brillen und Kontaktlinsen spezialisiert.

Wie bereits erwähnt, sind die Unterschiede zwischen Optikern und Optometristen je nach Land und Ausbildung sehr unterschiedlich. In Österreich und anderen europäischen Ländern wie Deutschland, ist der Beruf des Optometrist nicht eigenständig geregelt. Es gibt jedoch verschiedene Bachelor- und Masterstudiengänge auch im deutschsprachigem Raum. Längerfristig ist mit einer klareren Regelung, auch auf Grund des Fachärztemangels im gesamten europäischen Raum zu rechnen.

In angloamerikanischen Ländern wie den USA, Großbritannien, Kanada und Australien gibt es jedoch spezielle Ausbildungsgänge für Optometristen, die in der Regel vier bis sechs Jahre dauern und einen akademischen Abschluss (Doctor of Optometry oder Master of Optometry) erfordern. Diese Ausbildung umfasst umfangreiche klinische Praxis und vermittelt den Studenten das notwendige Wissen und die Fähigkeiten, um eine breite Palette von Augenproblemen zu diagnostizieren und zu behandeln.

Obwohl Optiker und Optometristen oft als Synonyme verwendet werden, gibt es tatsächlich große Unterschiede zwischen diesen beiden Berufen. Während Optiker hauptsächlich Brillen und Kontaktlinsen anpassen und verkaufen, sind Optometristen vollständig ausgebildete Spezialisten für Auge und Sehen, die länderspezifisch unterschiedliche Tätigkeiten ausführen dürfen.

Es ist auch wichtig zu verstehen, dass sowohl Optiker als auch Optometristen und Augenärzte gemeinsam wichtige Rollen in der Augengesundheit, Vorsorge und Korrektur des visuellen Systems spielen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen diesen Berufen notwendig, um sicherzustellen, dass die Augen der Patienten optimal versorgt werden.

Disclaimer

Es handelt sich hierbei um keinen medizinischen Rat. Bei Augenbeschwerden wenden Sie sich bitte direkt und unverzüglich an Ihren Augenarzt. Dieser Artikel dient rein zu Informationszwecken und es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Andreas Allmoslechner, Optometrist aus Kitzbühel in Tirol

Über den Autor

Mein Name ist Andreas Allmoslechner. Ich bin gebürtiger Kufsteiner und seit Anfang der 1990er-Jahre in Kitzbühel (Tirol) ansäßig.

Ich bin Augenoptikermeister und Konzessionierter Kontaktlinsenanpasser. Durch eine akademische Weiterbildung zum „Optometristen“ wurde mir der Titel „Master of Science in clinical Optomety “ von der Salus University Pennsylvania (USA, früher Pennsylvania College of Optometry) verliehen. Ich bin Member am British College of Optometrists sowie Fellow der American Academy of Optometry. Einige Jahre war ich in der Adjunct Faculty des PCO und bin Autor zahlreicher Fachpublikationen.

Als Unternehmer bin ich in Kitzbühel seit mehr als 20 Jahren mit meinem Unternehmen „Allmoslechner United Optics“ ansäßig, wo wir im Herzen der Gamsstadt internationale Optometrie und Augenoptik auf höchstem Niveau leben.